Klassifikationen dienen dazu, für unterschiedliche Untersucher einen einheitlichen Maßstab zur Beurteilung einer Erkrankung zu schaffen, um ein großes Maß an vergleichbaren Ergebnissen zu ermöglichen. Eine Klassifikation ermöglicht, in der Beurteilung „die gleiche Sprache zu sprechen”.
Deshalb sind an Klassifikationen zwei wichtige Ansprüche zu stellen:
Die Beurteilung von Skoliosen setzt, je nach gewählter Klassifikation, die Beurteilung des Röntgenbilds voraus. Hierbei ist die Qualität des Röntgenbildes von Bedeutung, ein schlecht zentriertes Bild lässt keine sichere Beurteilung zu, da nur über die korrekte Festlegung der Messpunkte (oberem und unteren Neutralwirbel, Scheitelwirbel, Endwirbel) eine sichere Beurteilung des Skoliosewinkels möglich wird.
Bereits 1905 hat Wilhelm Schulthess eine Einteilung der Skoliose nach der Lokalisation und der Form der vorliegenden Krümmung etabliert. Er definierte 5 Erscheinungstypen der Skoliose:
• Cervikothorakaler Typ (im Übergangsbereich Hals-zu Brustwirbelsäule)
• Thorakaler Typ (im Bereich der Brustwirbelsäule)
• Thorakolumbaler Typ (im Übergangsbereich Brust-zu Lendenwirbelsäule)
• Lumbaler Typ (im Bereich der Lendenwirbelsäule)
• Typ mit primären Doppelkrümmungen im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule

King Typ I zeigt eine S-förmige Krümmung, bei der die Mittellinie von der thorakalen und der lumbalen Krümmung überquert wird. Die lumbale Krümmung ist größer und rigider als die thorakale Krümmung. Der Flexibilitätsindex in den Bendingaufnahmen ist negativ.
King Typ II zeigt eine S-förmige Krümmung, wobei sowohl die thorakale Hauptkrümmung als auch die lumbale Sekundärkrümmung die Mittellinie überschreiten. Die thorakale Krümmung ist größer.
King Typ III zeigt eine thorakale Krümmung, bei der die lumbale Krümmung die Mittellinie nicht überquert.
King Typ IV zeigt eine langbogige thorakale Krümmung, bei der sich der 5. Lendenwirbel über das os sacrum (Kreuzbein) zentriert, der 4. Lendenwirbel aber bereits in Richtung der Krümmung gekippt ist.
King Typ V zeigt eine thorakale Doppelkrümmung, wobei sich der 1. Brustwirbel (Th1) in die Konvexität der oberen Krümmung neigt.