Die Korsett-Therapie ist weltweit etabliert, eine Vielzahl verschiedenste Konstruktionen mit ebenso variablen Zielführungen werden eingesetzt. Das Chéneau-Korsett ist in Europa derzeit das gängigste Mittel zur konservativen Behandlung der idiopathischen Adoleszenten-Skoliose (auch AIS, Skoliosen deren Ursachen unbekannt sind bei Patienten ab dem 10. Lebensjahr).
Seine Besonderheit: Es engt den wachsenden Rücken nur an ganz bestimmten Punkten ein und lässt ihm an anderen Stellen Freiräume, in die er hineinwachsen kann. Verkürzte Muskulatur wird gedehnt, überdehnte Muskulatur wird gestärkt und in die normalen Bewegungsabläufe integriert. Das Chéneau-Korsett wirkt hauptsächlich dreidimensional aktiv und unter Einbeziehung gezielter Atemtechnik und Physiotherapie. Der Körper wird also nicht passiv in eine bestimmte Form gequetscht, sondern dazu angeregt und unterstützt, sich aktiv aufzurichten. Die Wirbelsäule muss gestreckt, gedreht und geschoben werden.
Da es darauf ankommt, exakt die richtige Körperstellen zu reizen, ist für die Konstruktion des Korsetts eine spezielle Ausbildung erforderlich. Zur Beurteilung der Skoliose dienen auch im Korsettbau Klassifikationen aus dem Bereich der Wirbelsäulenchirurgie als Orientierung (Lenke, King etc.). Ihre Reliabilität für den Korsettbau kann aber nur bezweifelt werden, da unterschiedliche individuelle Bauweisen und deren Ergebnisse nicht vergleichbar sind. Behandlungsverläufe müssen engmaschig kontrolliert und ständig optimiert werden. Das Korsett muss den sichtbaren und messbaren Körpermassenwanderungen nachfolgen, um stets Nebenwirkungen auszuschließen. Diese Dynamik erklärt entstehende Formasymmetrien und Materialreduktionen im modernen Korsettdesign.